ATIX @ Config Management Camp 2026
Einmal mehr hat ein größere Delegation der ATIX das Config Management Camp in Gent besucht. Das ConfigManagementCamp findet Jahr für Jahr Anfang Februar in Gent, Belgien, statt, direkt nach dem FOSDEM-Wochenende in Brüssel. Jeden Tag gibt es vormittags Plenarvorträge, gefolgt von Präsentationen und thematischen Sitzungen am Nachmittag. Zwischen Waffeln, Bier und Pommes tauschten wir uns also mit der restlichen Welt der Konfigurationsverwaltung aus.
Wichtige Themen 2026
Nach einer langen Phase von Glanz und Ruhm muss Open Source sich neu erfinden. Die Cloud mit Software as a Service und das damit verbundene veränderte Distributionsmodell auf der einen Seite, auf der anderen Seite Künstliche Intelligenz, konkreter generative KI, greifen Open Source an, so Joe Brockmeier. Auch Richard Fontana hatte diese Richtung im Auge. Er griff die vier Grundfreiheiten von Open Source auf: „the freedom to run, study, modify and share code“ und präsentierte seinen Entwurf zur Modernisierung. Wir sollten die Freiheit besitzen, Open-Source-Projekte zu reproduzieren, zu verifizieren, daran teilzuhaben und sie zu verlassen. Zusätzlich erfordert freie und offene Software heutzutage „Stewardship“. Trotz dieser nachdenklichen Töne – insbesondere zur Rolle von KI – beherrschte ein deutlicher KI-Enthusiasmus zumindest die Plenarvorträge und etliche der Ignite-Talks.
Ansible
Andere Themen waren direkter mit unserer Arbeit verbunden. Ansible war sicher das dominierende Thema im Programm und am Mittwoch gab es den Ansible Contributor Summit mit Diskussion über Verbesserungspläne für 2026. Erwähnenswert hier: Wie lassen sich vertrauenswürdige Collections auf Ansible Galaxy leichter identifizieren, z.B. durch Badges wie im Docker-Hub, und wie können die Betreiber bei Problemen besser und schneller kommunizieren? Letztere Frage bezog sich auf den Ausfall der Galaxy eine Woche vor dem ConfigManagementCamp.
Puppet / OpenVox
OpenVox wird langsam erwachsen – und löst sich stärker von Puppet. Anscheinend läuft die Kommunikation zwischen der OpenVox-Community und der Puppet-Eignergesellschaft Perforce ein Jahr nach dem Fork nicht sonderlich gut. Knackpunkt war, dass Perforce den Zugang zu facter durch das selbe strittige EULA wie Puppet selbst abgeschottet hat. OpenVox hat darauf mit openfacts reagiert. Da Facter die zentrale Abstraktion zwischen Agent-Betriebssystem und OpenVox-Server ist, war eine gemeinsame Arbeit daran Garant, dass Puppet und OpenVox noch einen Weg gehen. In Zukunft können also immer mehr Module in der Forge auftauchen, die nur noch mit Puppet oder OpenVox arbeiten – und da sind sich alle sicher: OpenVox geht dabei als Sieger heraus.
Digitale Souveränität und ATIX
Am Dienstag gab es ein Panel zur digitalen Souveränität. Zugegeben, das war etwas zerfahren und unklar strukturiert, und in Details waren die Teilnehmer grundsätzlich unterschiedlicher Meinung. Einig war man sich aber, dass man eher früher als später anfangen sollte, Wege zur digitalen Souveränität zu implementieren.
Die ATIX konnte zu diesem Thema auch etwas beitragen. Zum einen mit einem neuen Foreman-Plugin, foreman_opentofu, welches die unterstützten Compute Ressources um die bereits für OpenTofu(/Terraform) unterstützten Cloud-Provider und VM-Lösungen erweitert. Dies erhöht die Auswahl erheblich und erlaubt es den Benutzern auch kleinere/lokale Cloud-Provider und VM-Backends zu verwenden, solange es bereits einen OpenTofu Provider-Type dafür gibt. Zum anderen waren auch Bootable Containers ein neues Thema im Foreman/Katello Kontext, auch bekannt als bootc-Hosts oder Image-Mode-Hosts.
Die sind übrigens auch Thema für EU-OS, das unter anderem Jonas in seinem Vortrag präsentiert (die Slides findet ihr Richtung Ende des Artikels).
Workshops
Der dritte Tag bestand aus Workshops zu verschiedenen Themen. Dabei bildete sich spontan ein allgemeiner Foreman/Katello-Workshop, bei dem es um die Themen bootable Container (bootc), Containerisierung von Foreman, Smart Proxies sowie etwas spezieller um DHCP-Proxies diskutiert wurden. Am Nachmittag gab es den offiziellen Workshop zur Weiterentwicklung der Foreman UI, bei dem die Modernisierung auf Patternfly 5 im Vordergrund stand. Anschließend gab es aber auch Diskussionen über eine Überarbeitung des UI für die Hosterstellung und abschließend die Suche nach Feedback für eine grundsätzliche Überarbeitung des OpenSCAP-Plugins. Parallel dazu fand auch dieses Jahr wieder ein Pulp Community Meeting statt an dem wir uns als Maintainer des Pulp Debian Plugins natürlich gerne beteiligt haben. Ideen zur Unterstützung neuer Repository Typen waren hier ebenso Thema wie auch der allgemeine Austausch zwischen Benutzern und Entwicklern.
Talks von ATIX oder mit ATIX-Beteiligung
Ottavia Balducci: Building CI/CD Pipelines for your Ansible code
Markus Bucher & Manisha Singhal: Foreman Plugin to Provision Hosts via OpenTofu for Diverse Compute and Virtualization Platforms
Jan Bundesmann & Thorben Denzer: The Director’s Cut: A new role for Ansible in Foreman
Thorben Denzer: From ‚undefined‘ to ‚I Told You So‘ – TypeScript for the Foreman Frontend
Robert Riemann, Stefan Bogner & Jonas Trüstedt: EU OS use case study: bootc-based laptop fleet management with foreman
Bernhard Suttner: Agama? How SUSE SLES16 Provisioning works with Foreman
Gergely Szalay & Amir Zahirovic: It Doesn’t Always Have to Be Caviar: Enterprise Alternatives and the Challenge of Default Stacks
Dank an das Organisationsteam
Ein großes Dankeschön geht an das gesamte Organisationsteam und die freiwilligen Helferinnen und Helfer des Config Management Camp. Vom hochwertigen Programm bis zur reibungslosen Organisation war alles hervorragend vorbereitet und schuf eine offene und einladende Atmosphäre.
Für unser Team bei ATIX war das Config Management Camp 2026 eine wertvolle und inspirierende Erfahrung. Wir kehrten mit neuen technischen Erkenntnissen, gestärkten Community-Kontakten und frischer Motivation für unsere Open-Source-Arbeit zurück.








